5. Juli 2020. Sonntag.

 

Rückschlag für Sehnsüchtige. Irland öffnet sich nicht wie erwartet am 9. Juli für internationale Reisen. Die Corona-bedingten Reisebeschränkungen werden nach neuen Informationen aus Regierungskreisen frühestens am 20. Juli gelockert, möglicherweise sogar später. Die „grüne Liste“ der Länder, in die und aus denen noch in diesem Sommer über Landesgrenzen gereist werden darf, lässt weiter auf sich warten.

Was bedeutet dies für Urlaubsreisen nach Irland? Mit zwei Worten: wenig Erfreuliches. Nicht notwendige Reisen auf die grüne Insel sollen nach wie vor unterbleiben. Wer dennoch einreist, muss sich für 14 Tage in Quarantäne begeben. Alle Einreisenden müssen der Grenzpolizei ein Formular übergeben, auf dem sie den Ort ihrer Quarantäne und ihre Kontaktdaten nennen.

Frühestens zum 20. Juli sollen die vergleichsweise „sicheren“ Länder bekannt gegeben werden, in die Irinnen und Iren noch in diesem Sommer zum Urlauben reisen dürfen und aus denen gleichzeitig Urlauber nach Irland einreisen können. Ob Deutschland, Österreich und die Schweiz dazu gehören, wird sich zeigen müssen. Zumindest sind dies nicht die präferierten Ferienländer der meisten Iren. Sie wollen in die Sonne des Südens nach Spanien, Portugal oder Griechenland. Klar scheint im Moment nur, wer nicht auf der grünen Liste stehen wird: die USA und Großbritannien.

Die irische Regierung steht von zwei Seiten unter Druck: Die Leute im Land wollen endlich wissen, ob sie ihren (meist schon lange gebuchten) Sommerurlaub im Ausland noch antreten können – und wenn nicht, ob sie ihr bereits bezahltes Geld endlich zurück bekommen.  Gleichzeitig drängt die Reiseindustrie gegen alle Vernunft auf eine „sofortige Normalisierung“ des Geschäfts – allen voran die flegelige Führung der Fluggesellschaft Ryanair. Auch andere Airlines wie die Swiss haben ihre Flüge nach Irland wieder aufgenommen und werben unverhohlen um Gäste. Was aber nützt das, wenn Irland-Reisende die ersten beiden Wochen ihres Aufenthalts isoliert in einem Hotelzimmer oder einem Apartment fristen müssen? Das macht allenfalls Sinn für Langzeitreisende, vor allem für die mit einer eigenen Unterkunft.

 

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Alles halb so wild? Natürlich wäre Irland nicht Irland, wenn es nicht eine herbe Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität geben würde. In dieser Woche wurde bekannt, dass Einreisende in den vergangenen Wochen überhaupt nicht systematisch darauf überprüft wurden, ob sie ihre Quarantäne auch einhalten. Im schlimmsten Fall müssen sie wohl damit rechnen, einen Anruf zu bekommen. Dass die irischen Behörden schon bei dem geringen Einreise-Volumen der vergangenen Wochen mit Kontrollen nicht nachkommen, lässt angesichts der anhebenden Reiseflut tief blicken . . .

Ich melde mich heute aus der Quarantäne von daheim. Ich musste aus einem triftigen Grund mit behördlicher Genehmigung vor drei Wochen nach Deutschland reisen  – das waren keine Ferien, wie man sich leicht vorstellen kann. Ich traf auf dem Heimweg auf der Fähre vom französischen Cherbourg nach Rosslare im County Wexford zahlreiche Irland-Reisende – sie alle hatten wohl auch einen triftigen Grund . . .

Wer reisen muss, oder denkt, reisen zu müssen, ja selbst, wer nur reisen will, kann das offensichtlich tun. Allerdings ganz auf eigene Verantwortung. Mit Risiken. Die Reisewarnung der irischen Regierung ist kein Reiseverbot. Das gilt für beide Richtungen. Die Fähren fahren, die Flugzeuge fliegen zunehmend wieder. Die Kontrollen sind offensichtlich lasch. Dennoch muss sich jeder fragen, ob die Jagd nach dem eigenen Vergnügen es rechtfertigt, andere Menschen (und sich selbst) in Gefahr zu bringen – und es ist nicht entschieden, wie willkommen internationale Reisende im ländlichen Irland in den kommenden Monat sein werden.

Die Angst vor einer zweiten Welle, importiert aus dem Ausland, ist groß.

 

 

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Irland Corona

Irland in den Zeiten von Corona. Wir leben auf dem Land in Irlands äußersten Südwesten, in einer Streusiedlung am westlichen Rand Europas, direkt am Atlantik. Auch in dieser einsamen, abgelegenen Gegend wurde das Leben in den vergangenen vier Monaten vom neuartigen Coronavirus beherrscht. Wir, Eliane [e] und Markus [m], führen ein öffentliches Tagebuch über unser Leben in Irland in Zeiten von Corona. Mittlerweile wurde daraus eher ein Wochenbuch. Heute schreibt Markus . . .

Wie sieht der Alltag auf der Insel jetzt aus? Irlands neue Regierung hat am vergangenen Montag die Phase drei der Wiedereröffnung nach dem Corona-Lockdown in Kraft gesetzt. Seit knapp einer Woche dürfen wir wieder ohne Einschränkung im ganzen Land reisen. Die meisten Geschäfte sind wieder offen, viele Menschen kehrten an ihre Arbeitsplätze zurück – viele andere arbeiten derweil im Heimbüro. Friseure, Masseure, und Körper-Therapeuten sind wieder an der Arbeit. Hotels, B&Bs, Ferienhäuser und Campingsplätze sind ebenfalls in die Rest-Saison gestartet und versuchen, die komplizierten Abstandsregeln umzusetzen und dabei ein wenig Geld zu verdienen.

Auch die Pubs dürfen wieder Gäste empfangen, allerdings nach strengen Regeln: Die Gäste müssen an Tischen sitzen, die zwei Meter auseinander stehen. Sie müssen sich vorher anmelden, dürfen maximal 90 Minuten (plus 15 für die Bestellung) bleiben, und müssen eine Mahlzeit im Wert von mindestens neun Euro verspeisen. Zwischen dem Gästewechsel an einem Tisch muss eine 15-minütige Pause zur Desinfektion liegen. Pubs, die keine volle Mahlzeit anbieten können oder wollen, dürfen erst am 20. Juli wieder öffnen.

In Räumen dürfen sich jetzt wieder bis zu 50 Menschen versammeln, im Freien bis zu 200. Die meisten Sportarten können unter Beachtung der Schutzvorschriften ihren Betrieb wieder aufnehmen.  Kitas und Jugendcamps, Yogastudios und Muckibuden, Schwimmbäder, Museen, Kinos und Kirchen empfangen nach dreieinhalb Monaten Lockdown wieder Gäste.

Die Regeln des Social Distancing, vor allem die Zweimeter-Abstandspflicht bestehen weiterhin. Ein Mund-Nasenschutz wird im öffentlichen Raum empfohlen, ist aber auch jetzt keine Pflicht. Ausnahme: In öffentlichen Verkehrsmitteln und an den Flug- und Fährhäfen sind Mund-Nase-Masken Pflicht, weil dort die Zweimeter-Regel nicht durchgängig eingehalten werden kann.

 

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Wir verschieben die letzte Wander-Runde auf 2021. Eigentlich wollten wir in diesem Jahr mit unserem kleinen Wanderreise-Veranstalter Wanderlust letztmals auf Wander-Touren gehen. Die Anmeldelage war brilliant, es sollte ein schöner Abschluss werden. Dann kam Corona. Gestern haben wir entschieden, angesichts der problematischen Lage und zur Sicherheit unserer Gäste auch die späten Ferienwochen in diesem Jahr abzusagen. Damit gibt es in diesem Jahr überhaupt keine Wandersaison mit Wanderlust.

Gleichzeitig haben wir beschlossen, zum Ausgleich noch eine Saison lang weiter zu machen: Die letzte Wanderlust-Saison wird damit im Jahr 2021 statt finden. Viele Gäste haben Ihre Irland-Wanderferien mit uns auf das kommende Jahr verschoben. Wer die letzte Gelegenheit nutzen will, mit uns Irland von seinen schönsten Seiten zu erkunden, kann sich hier informieren: Wanderlust 2021.

 

Einen schönen Sonntag! 

 

Fotos: Markus Bäuchle