Tun wir genug für den Schutz der Erde?

Unsere ökologische Verantwortung als Wanderreise-Veranstalter in Irland

 

Glengarriff, Irland im Juli 2018.
Ergänzt und aktualisiert im Oktober 2019.
Zu unserem aktuellen Report vom Oktober 2019 geht es direkt hier.

 

Wir sind Wanderlust Irland und wir haben Fragen an uns selbst. Können wir einen Urlaubsreise-Veranstalter betreiben, und sei er auch noch so klein, und uns gleichzeitig von der Verantwortung frei sprechen, zur ökologischen Zerstörung der Erde selber aktiv beizutragen? Schützen wir mit oder trotz unserer Arbeit die Umwelt genug? Oder sind wir ein Teil der zerstörerischen Wachstumsmaschine, die diese Welt für unsere Kinder und Enkel unbewohnbar machen wird?

Ist unser ökologischer Fußabdruck zu groß? Exakt gefragt: Um wieviel?

Diese Fragen treiben uns seit einiger Zeit um . . .

:: seit wir alle wissen, dass die Erde und mit ihr wir Menschen am ökologischen Abgrund stehen. Die Krise ist so vielfältig wie dramatisch und spitzt sich mit großer Geschwindigkeit zu: Die Vernichtung nicht-menschlichen Lebens durch Nutztier- und Agrar-Wirtschaft verursacht eine Massenausrottung der Tier- und Pflanzen-Arten. Die Meere sterben durch Plünderung und Plastikmüll. Der Klimawandel und die globale Erwärmung bedrohen alles Leben auf der Erde – dazu kommen ein ungebremstes Bevölkerungswachstum, gravierende Luftverschmutzung, Bodenverlust, Wasserknappheit und die globale Plastikmüllkatastrophe. Der von Menschen verursachte ökologische Kollaps naht – und wir machen einfach weiter, als ob nichts wäre.

Doch die Fragen der persönlichen Verantwortung drängen . . .

:: seit wir wissen, dass ein, zwei Flugreisen den Gewinn sämtlicher ökologischer Alltags-Tugenden und Feigenblätter, vom Wohnen im Passivhaus, über das lediglich symbolische Mülltrennen bis hin zum Fahren in der neuen Hybrid-Limousine, komplett zunichte macht.

:: Seit klar ist, dass wir als einzelne Menschen nur eine Chance haben: Das zu tun, was für richtig erkannt haben, und damit uns und unser Verhalten zu ändern. Wir können die anderen nicht verändern – aber uns selbst schon.

:: Seit wir begriffen haben, dass Ausreden nicht mehr zählen. Wir sind zu weit gegangen, um uns den Luxus kognitiver Dissonanz und schlanker Ausreden noch leisten zu können. „Ist doch nicht so schlimm“ – „Man muss sich doch auch ein bisschen was leisten dürfen“ – Wenn ich das nicht mache, machen es andere“ – und so weiter . . .

:: Seit wir davon überzeugt sind, dass wir den Begriff der Freiheit im Konsum-Kapitalismus radikal überdenken müssen, weil es keine Freiheit ohne Verantwortung gibt.

Diese Fragen, einmal gestellt, lassen sich nicht wieder vergessen.

* * *

Wir sind in unsere Wahlheimat an der Küste Irlands gezogen, um hier in intakter Natur zu leben – abseits der Zerstörungen der sogenannten entwickelten Welt. Wir hatten deshalb von Beginn an immer das Ziel, die großartige Natur zu erhalten und zu ihrer Zerstörung nicht weiter beizutragen.

Klar, wir folgen einem strengen Umwelt-Kodex. Selbstverständlich, wir gehen achtsam und behutsam durch die Natur. Keine Frage, unsere Gäste loben uns überschwänglich für unsere Nachhaltigkeit. Und ja, wir sind nicht der Meinung, dass wir mehrere Male im Jahr in den Urlaub fahren müssen, weil uns unser Alltagsleben erfüllt und uns immer auch genug Erholung ermöglicht. Doch reicht das?

Im eigenen Leben stellen wir Müllvermeidung vor Recycling, reparieren vor neu kaufen, Verzicht vor Konsum. Wir sind bewusst in ein bestehendes Haus gezogen und haben dieses für uns umgebaut, um den Flächenverbrauch zu begrenzen. Wir fahren Auto nur, wenn es sein muss. Wir leben im Winter bei 17 Grad Raumtemperatur und ziehen uns warm an. Wir sparen Strom und Gas, wo immer es möglich ist.

Für unser kleines Wander-Unternehmen überzeugen wir pro Jahr 150 bis 200 Menschen, aus dem deutschsprachigen Europa für eine oder zwei Wochen nach Irland zu reisen, um bei uns Wander-Ferien zu machen. Die meisten Gäste reisen mit dem Flugzeug von Deutschland, der Schweiz und aus Österreich zu uns nach Irland.

In einem ökologisch noch eher wenig sensibilisierten Umfeld im ländlichen Irland haben wir immer versucht, unserer Verantwortung für die Natur gerecht zu werden. Wir haben die folgenden Firmen-Prinzipien entwickelt und verwirklicht:

 

Regionalität: Wir begrenzen unsere Aktivitäten auf die nähere Region unserer Wahlheimat und bewegen uns in einem Radius von maximal 60 Kilometern. Wir haben das Glück, in der landschaftlich vielfältigsten Region Irlands zu leben und verzichten darauf, Wanderungen auch in anderen Landesteilen oder in anderen Ländern anzubieten. Dadurch schonen wir Ressourcen, verlieren aber Wiederholer-Gäste, die mit uns gerne anderen Regionen Irlands erleben würden.

Behutsamer Transport: Unsere Gäste absolvieren immerhin keine Fernreise, wenn sie zu uns kommen. Sind sie erst einmal im Lande, holen wir sie zusammen mit einem von der Größe an die Gruppe angepassten Bus ab. Vor Ort versuchen wir, die Anfahrt-Wege zu den einzelnen Wanderungen möglichst kurz zu halten und gleichzeitig vielfältige Landschaften zu zeigen und abwechslungsreiche Erlebnisse zu ermöglichen. Und wir ermutigen Gäste mit Zeit, den Landweg und die Fähre zu uns zu nehmen.

Zu Fuß unterwegs: Die Natur unseres Geschäfts bedingt, dass wir mit unseren Gästen den ganzen Tag zu Fuß unterwegs sind: Wir wandern. Wir erkunden das Land Schritt für Schritt im Gehen. Das spart viele Ressourcen.

Selbstbeschränkung: Wir beschränken uns freiwillig nicht nur auf einen regionalen Aktionsradius, wir begrenzen auch die Größe unserer Gruppen auf – je nach Ferienart – acht, zwölf und im Maximalfall 18 Teilnehmer. Wir streben nicht nach ständig höheren Umsätzen und Profiten, sondern versuchen unsere Größe und unser Einkommen konstant zu halten – um nur das zu verdienen, was wir und unsere MitarbeiterInnen zum guten einfachen Leben benötigen.

Wir wollen keine Spuren hinterlassen: Privat leben wir in (kompostierbaren) Holzgebäuden, auf Wegen und Höfen verzichten wir auf Asphalt und auf Straßenbeleuchtung. Wir wollen möglichst wenig Spuren hinterlassen. Dasselbe Prinzip leitet uns, wenn wir mit Gästen in Irlands Natur wandern: Wir wollen keine Spuren hinterlassen. Wenn wir einen Ort wieder verlassen, soll er so aussehen, als wären wir gar nicht dort gewesen. Wir wandern leise, behutsam, achtsam und rücksichtsvoll. Wir nehmen nichts mit und wir lassen nichts zurück. Außer unsere Fußabdrücke, unsere Eindrücke und vielleicht ein paar Fotos. Wir greifen nicht in die Natur ein, beschränken uns auf das Betrachten.

Vegetarische und vegane Picknicks: Wir versorgen unsere Gäste jeden Tag mit einer kleinen kulinarischen Wundertüte: dem Wander-Picknick für unterwegs. Immer mittags werden an einem besonders schönen Ort die zur Dauernutzung geeigneten Lunch-Boxen geöffnet, um zu kosten, was es heute Feines gibt. Wir bereiten die Drei-Gänge-Picknicks selber zu. Sie sind immer vegetarisch oder vegan – und wir sind ein wenig stolz darauf, dass diese Picknicks zu den Highlights unseres Angebots zählen, und dass auch die leidenschaftlichsten Fleischesser am Ende der Wanderwoche ohne Mangel und voll des Lobes sind. Die Art und Weise, wie wir uns ernähren, bestimmt unser Schicksal – das gilt für jeden Einzelnen, aber auch für das Schicksal der Erde. Doch davon später mehr.

 

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Nach der Bewertung aller Bemühungen steht die Frage, ob all dies reicht, um unserer ökologischen Verantwortung gerecht zu werden. Oder ist am Ende nur ein Reiseunternehmen, das seinen Betrieb komplett einstellt, ein ökologisch gutes Unternehmen?

Berücksichtigt werden muss auch, dass wir uns in einem komplexen Umfeld bewegen: Die Natur am irischen Atlantik ist zwar sehr viel intakter als vielerorts in Europa. Doch wir tragen zur deren Beanspruchung und Nutzung aktiv bei.

Zudem leben und bewegen wir uns an Irlands Atlantikküste an einem Ort, der noch viel natürlichen Reichtum hat, dafür aber wenig ökologisches Bewusstsein. Die Einsicht, dass dieses herrliche Fleckchen Erde unseren Schutz verdient, sickert erst ganz allmählich in das öffentliche Bewusstsein ein. Noch regieren hier die alten Wachstums-Dogmen von gestern ungebremst, noch wird ohne große Hemmung auf vielfältige Weise Natur zerstört – getreu den beiden viel gehörten Mottos: „Von dieser schönen Aussicht kann ich nicht abbeißen“ und „Wir haben doch mehr als genug davon“.

In diesem Umfeld geraten die eigenen Bemühungen auch dort an Grenzen, wo es um die Zusammenarbeit mit Partnern geht: Von einem Hotel vor Ort, das ein engagiertes Energiespar-Konzept aufstellt und dann auch noch umsetzt, lässt sich träumen – von einem Bus-Partner, der die Umrüstung auf Elektrobusse zumindest plant, genauso. Es gibt sie nicht. Noch nicht?

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Was können wir persönlich tun, um die von uns verursachte Belastung der Umwelt möglichst klein zu halten, um unseren ökologischen Fußabdruck, so gut es geht, zu minimieren? Wir wissen heute, dass zwanghaftes Mülltrennen gar nichts bringt, das Vermeiden von Müll aber schon. Wir wissen, dass der Verzicht auf Einweg-Plastik im Alltag schwierig, aber auch möglich ist. Viel Üben bringt allmählichen Erfolg.

Wir wissen auch, dass es ökologisch sehr viel verträglicher sein kann, ein altes Auto einfach weiter zu fahren, anstatt dem Konsumzwang nachzugeben und eine unter höchstem Energieaufwand produzierte neue Diesel-Schummel-Karosse zu kaufen. Wir wissen auch, dass wir den Diktaten der Moden und der Maschen nicht verfallen müssen und mit relativ wenig Konsum gut leben können. Wir leben in isolierten Wänden und fahren mit Bus und Bahn statt mit dem eigenen Auto – und wir entsagen dem egoistischsten aller Fortbewegungs-Vehikel: Dem Wohnmobil. Doch bei alledem wissen wir trotz zahlreicher CO2-Rechner nicht, was wirklich einen großen Effekt erzielt und unsere eigene persönliche Umweltbilanz besonders stark verbessert. Oder doch?

Einer groß angelegten neuen Studie zufolge, die gerade im Wissenschafts-Journal Science veröffentlicht wurde, gibt es jetzt tatsächlich Klarheit darüber, was der einzelne Mensch tun kann, um seinen Anteil an der Umweltzerstörung mit einer einzigen Verhaltensänderung drastisch zu minimieren: Es ist nicht die Art und Weise, wie wir reisen, auch nicht die Art und Weise, wie wir wohnen oder Dinge konsumieren. Es ist die Art und Weise, wie wir essen: Wer keine oder wenige tierische Produkte isst, schützt unsere krisengeplagte Erde auf seine ganz eigene Weise am besten. Eine vegane Ernährung, eine Ernährung ohne Fleisch und Milchprodukte, zumindest aber eine vegetarische Ernährung, ist demnach das Gebot der Gegenwart.

Die Wissenschaftler um Joseph Poore von der Universität Oxford haben folgende global gültigen Fakten zusammen getragen:

Die globale Agrarwirtschaft, vorneweg die Nutztier- und Milchwirtschaft, ist der größte Umweltzerstörer. 83 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche weltweit werden für die Produktion von Fleisch und Milch genutzt. Dabei entstehen 60 Prozent der landwirtschaftlichen Treibhausgase, aber nur 18 Prozent aller Kalorien und nur 30 Prozent des gesamten Proteins. Durch Verzicht auf die Produktion von Fleisch und Milch könnte die global genutzte landwirtschaftliche Fläche um drei Viertel (75 Prozent) reduziert werden – und doch könnte die gesamte Welt-Bevölkerung mit pflanzlichen Lebensmitteln gut ernährt werden.

Zudem könnte die Natur zerstörende Landwirtschaft wieder Flächen freigeben für Wildnis und Wildtiere. Mittlerweile sind 86 Prozent aller Säugetiere auf dieser Welt entweder Menschen oder Nutztiere. Die Zahl der Wildtiere ist auf jämmerliche 14 Prozent geschrumpft. Die Studie kommt zum Schluss: Eine vegane Ernährung hat wesentlich positivere Auswirkungen als der Verzicht auf Flugreisen oder die Anschaffung eines Elektroautos. Der Grund: Die pflanzliche Ernährung hat positive Auswirkungen nicht nur auf Treibhausgase und Klima, sondern auch auf die Bodenqualität, auf Überdüngung, Landverbrauch und Wasserknappheit.

Wir wissen also, was zu tun ist. Wir müssen unsere Ernährung ändern – zusätzlich zu all den anderen Anstrengungen, unsere Erde endlich wirkungsvoll zu schützen.

Wer aber will diese einfache Wahrheit hören – und dann auch noch danach leben? Wir werden weiter dafür arbeiten.

 

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11. Oktober 2019. Ergänzung und Aktualisierung

 

Unser Beitrag für mehr Naturschutz und Nachhaltigkeit

 

Im Jahr 2019 ist die Klimakrise – bedauerlicherweise aber nicht die Krise der Natur – global zum Top-Thema befördert worden. Es sieht so aus, als würde die Klima-(Nicht-)Politik zum großen polarisierenden Zankapfel zwischen den Generationen und zwischen gesellschaftlichen Gruppen. Am Klimapaketchen der deutschen Regierung kann man den eklatanten Unterschied zwischen Reden und Handeln studieren. Es gibt mal wieder viel Plan und wenig Tat. Der Einsatz der irischen Regierung zur Begrenzung der Erderhitzung und zum Naturschutz: noch überschaubarer.

 

Drei Fragen stehen im Mittelpunkt der Klima-Debatte, ohne dass bislang eine verbindliche Politik  sichtbar wird:

:: Muss der Einzelne durch freiwilligen Einsatz und Verzicht das Klima retten oder schafft das nur die Politik? Was kann, soll und muss ich selber leisten?

:: Falls die Politik es richten muss, führt ein liberales Wunschkonzert zum Ziel, das immer die Wohlhabenden bevorzugt, oder müssen die Verbotsparteien ran mit Einschränkungen, Richtlinien und Gesetzen, die für alle gleichsam gelten?

:: Und schließlich wird gefragt: Können wir die Welt retten, ohne uns einzuschränken? Zudem: Falls ja: Wer muss sich einschränken? Dahinter verbirgt sich die Gerechtigkeits-Frage.

 

Es macht Mut, dass diese zentralen Überlebensfragen nicht länger ein Lieblingsthema für kleine Randgruppen sind und dass sie nun endlich  breit diskutiert werden. Es ist großartig, dass nun viele Menschen sich nicht nur für das Thema Natur interessieren, sondern auch aktive Beiträge leisten zur Bewältigung dieser größten Krise, in die wir Menschen uns und die Natur befördert haben. Unsere Haltung zu den zentralen Fragen ist diese:

 

:: Muss der Einzelne durch freiwilligen Einsatz und Verzicht das Klima retten oder schafft das nur die Politik? Die ist eine völlig künstliche Fragestellung. Beides muss. Das private, das wissen wir lange, ist immer auch politisch, und wer seine Überzeugungen mit seinem Handeln in Einklang bringt, lebt gesünder, sorgenfreier und im Einklang mit sich. Aus Überzeugung das Richtige zu tun (anstatt nur zu Lamentieren, dass die anderen mal ran sollen) ist zudem die beste Legitimation, politische Forderungen zu stellen und politisch über das Privatleben hinaus aktiv zu werden.

Am Ende werden Klima- und Naturschutzziele allerdings nur erreicht werden, wenn die Regierungen einen verbindlichen gesetzlichen Rahmen für alle Menschen, alle Institutionen und vor allem für alle Unternehmen schaffen und dessen Einhaltung einfordern. Wir alle kennen die großen Klimasünder-Firmen dieses Planeten. Nur 20 Unternehmen weltweit sind für über ein Drittel aller CO2-Emissionen verantwortlich. Bis heute gehen sie dem so schmutzigen wie einträglichen Geschäft ungehindert nach. Derzeit sieht es so aus: Die Menschen tragen ihre Regierungen zum Jagen. Tun wir es, bleiben wir beharrlich. Und nehmen wir all die schmutzigen Unternehmen als Konsumenten in die Pflicht, die völlig unwillig sind, sich zu verändern und uns statt dessen mit Greenwashing etwas vorgaukeln: Shell, BP, Exxon, Gazprom, . . . .

 

:: Müssen Verbote her? Wenn wir akzeptieren, dass unsere Freiheit dort aufhört, wo die Freiheit der anderen beginnt, dann haben wir mit vernünftig begründeten und demokratisch beschlossenen Verboten keine Probleme. Was spricht dagegen, Kurzstreckenflüge, Wegwerfplastik,  Autos und Jachten ab einer bestimmten Größe oder die weitere Flächenvernichtung zu verbieten sowie die großen Problemunternehmen dieser Welt streng zu regulieren, damit wir alle besser und gesünder leben können? Nach meiner Meinung nichts. Es wird ohne diese nationalen, supranationalen und hoffentlich bald globalen Verbote nicht gehen. Es sieht so aus, dass viele Menschen heute bereit sind, allgemein gültige Ge- und Verbote zur Rettung von Natur und Klima ergebnisorientiert zu akzeptieren, denn der Freiwillige ist immer schnell auch der Dumme.

 

:: Können wir die Welt retten, ohne uns einzuschränken? Das kann wohl nur die Lindner-FDP und auch nur in der Theorie. Die Ressourcen der Erde sind endlich, wir plündern diese Ressourcen gerade, als gäbe es kein Morgen. Damit ist die Frage eindeutig beantwortet. Mäßigung ist zudem eine völlig positive und lebensbejahende Aktivität: Warum soll es so schwer sein, weniger zu konsumieren und damit jede Menge Druck aus dem eigenen Leben zu nehmen: Geld, das wir nicht ausgeben, müssen wir nicht verdienen. Wenig beachtet wird im Moment, dass viele Menschen in den Massenkonsum-Gesellschaften längst an ihren psychischen Grenzen leben. Wir werden von unseren Besitztümern besessen. Wir müssen im eigenen Interesse zurückfinden zu Maß und Mäßigung. Wir können herausfinden aus der tödlichen Wachstumsspirale, um uns selber zu schützen, und es lohnt sich: Aus Mäßigung und Selbstbeschränkung wachsen Lebensqualität und Wohlbefinden. (Diese Feststellung gilt vor allem für die privilegierte Schicht der umweltbewussten Umweltsünder, zu der wir uns zählen müssen). Das Wachstum muss und wird ein Ende haben.

 

Deshalb sind wir überzeugt:

 

:: Es ist Zeit zum Handeln. Gejammert, geklagt und diskutiert haben wir lange genug. Es ist endlich Zeit zum Handeln. Das haben viele Menschen begriffen und ändern dafür ihr Leben. Sie treiben die Politik, die immer noch Kommissionen gründet, um ihre Mutlosigkeit und Blutarmut zu kaschieren, längst vor sich her.

 

:: Es gibt keinen Klimaschutz ohne Naturschutz. Die ökologische Krise ist so vielfältig wie dramatisch und spitzt sich mit großer Geschwindigkeit zu. Die Vernichtung nicht-menschlichen Lebens durch Nutztier- und Agrar-Wirtschaft verursacht eine Massenausrottung der Tier- und Pflanzenarten. Die Meere sterben durch Plünderung, Sauerstoffarmut und Vermüllung. Der Klimawandel und die globale Erwärmung bedrohen alles Leben auf der Erde – dazu kommen das anhaltende Bevölkerungswachstum, Luftverschmutzung, Bodenverlust, Wasserknappheit, Wasserverunreinigung durch endokrine Disruptoren und das globale Plastikmüll-Desaster. Wir müssen die Natur retten und das Klima dazu.

Im Moment erleben wir, wie der Naturschutz von Politikern weltweit bereitwillig geopfert wird, um beim Klimaschutz vordergründig eine gute Figur abzugeben. Die fortschreitende Zerstörung der Natur ist allerdings das viel größere, übergeordnete Problem, viel gravierender als die Erderhitzung alleine.

 

:: Die Systemfrage muss gestellt und beantwortet werden. Unsere Wirtschaftsform, der Kapitalismus, zumal in der aktuellen Spielart des neoliberalen Anything goes, suggeriert grenzenloses Wachstum in einer begrenzten Welt. Es wird keine rettenden Lösungen geben, ohne dass wir unser Wirtschaften ändern, unseren Lebensstil und unsere Weise zu arbeiten. Warum können wir in den Überflußgesellschaften der wohlhabenden Länder nicht auf einen Teil des Wohlstands verzichten und dennoch oder gerade deshalb ein erfülltes Leben führen? Wir können. Je früher wir damit anfangen, um so größer sind unsere Chancen auf Erfolg (und Überleben).

 

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Wanderlust konkret: Das tun wir 2019 und 2020

 

Fangen wir bei uns selber an: Welchen Beitrag haben wir geleistet, und was wollen wir künftig tun, um den ökologischen Fußabdruck von Wanderlust zu verkleinern?

 

:: Verkleinerung des Programms: Wir mögen kleine, flexible Unternehmen, die sich dem Primat des Wachstums entziehen. Wir wollen ein solches Unternehmen sein. Wir wollen so klein wie möglich sein, wollen bei der Arbeit Spaß haben, darin Sinn finden und uns davon ernähren. Wir passen das Programm, also auch Umsatz und Gewinn, diesen Bedürfnissen an und achten darauf, dass wir keine zusätzlichen ökologischen Schäden anrichten, nur weil wir mehr Gewinn machen wollen. Vor diesem Hintergrund haben wir das Ferien-Programm seit dem Jahr 2017 verkleinert. In drei Schritten halbieren wir die Zahl unserer angebotenen Irland-Ferienwochen bis zur Saison 2020.

:: Kleinere Gruppen, kürzere Wege, weniger Abfall: Unsere neuen Ferienangebote Magisches Irland. Unterwegs in den Seelenlandschaften von West Cork und Ursprüngliches Irland. Wandern wie damals finden an einem neuen Ort auf einer kleinen Bio-Farm in West Cork statt und sind auf acht bis zehn TeilnehmerInnen begrenzt. Kürzere Wege, weniger Teilnehmer, mehr regionales, vegetarisches und Bio-Essen, weniger Energieverbrauch, sowie mit Abstand weniger Abfall sollen unsere Ferien-Angebote auf eine neue Qualitätsstufe hinsichtlich Nachhaltigkeit und ökologischem Fußabdruck heben.

:: Wir empfehlen den Land- und Seeweg: Die Anreise nach Irland kann, muss aber nicht mit dem Flugzeug erfolgen. Ich habe die Reise zwischen Deutschland (der Schweiz) und West Cork, Irland, selber mit Zug, Fähre und Bus gemacht und den jeweiligen CO2-Verbrauch berechnet. Fazit: Für eine Flugreise kann man mit derselben Klimabelastung fünf bis sechs Reisen auf dem Land- und Seeweg machen. Über diese sehr schöne Land- und Seereise berichte ich hier.

Wenn man die Übernachtung auf der Fähre nicht berücksichtigt, benötigt man für diese Reise pro Strecke lediglich einen halben Tag länger als mit dem Flugzeug. Ein oder zwei zusätzliche Ferientage dann und wann könnten frau und man dem Klima und der Natur eigentlich gönnen, meinen wir. Wir haben für alle Landreisenden einen Beitrag mit Reise-Beispielen zusammen gestellt, der im Downloadbereich unserer Website abrufbar ist ( KLICK ). Für alle Gäste, die sich mit der Reiseplanung selber nicht zu intensiv beschäftigen wollen, kooperieren wir künftig mit einem auf  Zug-, Fähr- und Busreisen spezialisierten Reisebüro, das gerne die besten und günstigsten Verbindungen plant und bucht.

:: Ein eigenes Klima-Projekt statt anonymem Ablasshandel: Das Flugzeug zu nehmen, an die Atmosfairs der Welt ein paar Euro abzudrücken und sich dadurch besser fühlen, gehört heute für Vielreisende zum Standard-Repertoire. Nicht beantwortet wird bei diesen anonymen Transaktionen die so oft vernachlässigte Frage: „Was hat das mit mir zu tun?“ Was mit dem eigenen Reiseverhalten und was mit dem eigenen Leben?

Irland ist neben Malta noch immer das baumärmste Land in Europa.  Die immer wieder zu unrecht gelobten Zuwächse an Wald in den vergangenen 15 Jahren gehen vor allem auf das Konto ökologischer Todeszonen aus schnell wachsenden Sitka-Fichten. Wir bereiten deshalb die Unterstützung eines lokalen Baumpflanz-Projekts in West Cork vor, in dessen Rahmen natur-kundige Idealisten heimische Mischwälder der Zukunft kultivieren. 45.000 Bäume wurden in diesem Projekt schon gepflanzt. Wälder sind CO2-Schlucker, die wir dringend benötigen. Wir werden unseren Gästen ab dem kommenden Jahr Gelegenheit geben, das Projekt vor Ort kennen zu lernen und das Wachstum von neuem wertvollem Wald in Irlands Südwesten freiwillig zu unterstützen.

:: Eine Arche für Pflanzen und Tiere: Wir haben uns der Naturschutz-Bewegung We are the Ark angeschlossen und unser Land am irischen Atlantik als Arche ausgewiesen. Die Idee: Wir Menschen können uns zurück nehmen und versuchen, nur die Hälfte dieses Planeten für uns zu beanspruchen und die andere Hälfte an die Wildnis, die Pflanzen und Tiere zurück zu geben. Wir können den Flächenfraß beenden. Wir können wieder Verantwortung übernehmen für den Ort, an dem wir leben und arbeiten. Für die letzten Wiesen zwischen den Dörfern. Für den Wald. Für den Park um die Ecke. Für kleine grüne Oasen in der urbanen Nachbarschaft. Für den naturnahen Balkon. Und wer das Privileg hat: Für den eigenen Garten.

Wir können uns dem Flächenfraß in den Weg stellen und ihn stoppen. Wir können den Garten oder Teile davon wieder zu einem wilden naturnahen Ort machen, jenseits von Steinwüsten und Zierrasen. Wir können die kleinen Natur-Oasen vernetzen. Wir können sie hüten und verteidigen und daraus einen natürlichen Flickenteppich “weben”, der sich dem Verwertungs-Imperativ Wachstum zerstört Natur widersetzt. Die irische Gärtnerin, Garten-Gestalterin und Autorin Mary Reynolds hat zur Verwirklichung dieser Idee das Projekt We are The Ark (“Wir sind die Arche”) gegründet. Fast jeder Mensch hat die Möglichkeit, ein kleines Stück Natur zu schützen. Schaffen wir tausende Archen für die Natur.  Mehr dazu: ( KLICK ).

:: Nicht zuletzt spenden wir regelmäßig für Naturschutzprojekte. Wir unterstützten zum Beispiel den Irish Wildlife Trust, Rewilding Europe und Sea Shepard.

 

26. Oktober 2019
Markus Baeuchle
Wanderlust

PS: Unser Wander-Umwelt-Kodex kann sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache heruntergeladen werden.